Buchkritik – Ulla Meinecke “Willkommen in Teufels Küche”

  • Betreff: Buchkritik “Willkommen in Teufels Küche
  • Quelle: www.literaturnetz.com
  • VÖ-Datum: 30.08.2007
  • Autor: Birgit Erwin


Willkommen in Teufels Küche. Glanz und Elend der Chaotiker

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Wer kennt es nicht, das reizende kleine Haustier, das lachend in der Ecke liegt, wenn sich der Abwasch in der Spüle stapelt und die Wollmäuse Tango tanzen? Es ist der innere Schweinehund. Woher er kommt, was er tut und wie man ihn austreibt, weiß niemand so recht. Aber vielleicht hat Ulla Meinecke Antworten! Chaotiker sind nicht das gleiche wie Chaoten, es sind Menschen, die ihre Geschäfte immer auf den letzten Drücker erledigen, deren Chaos sich nicht mehr eindämmen lässt und die diesen Zustand gerne ändern würden, ohne es zu können. Diesem Phänomen versucht die Künstlerin Ulla Meinecke auf den Grund zu gehen. Um ihrem Ziel näher zu kommen, unterteilt sie ihren Ratgeber in zwei Teile, von denen der erste die Ursachen, der zweite Hintergründe und mögliche Auswege aus der Misere anbietet.

Wie das Leben eines Chaotikers verläuft, wissen sehr, sehr viele Menschen aus eigener Erfahrung. Allerdings macht es Spaß diese Schilderungen aus Ulla Meineckes spitzer Feder vor Augen geführt zu bekommen. Interessant ist sicher auch die Unterteilung, die die Autorin vornimmt, denn Chaos gibt es ihrer Meinung nach nicht nur in Wohnung und Steuerunterlagen sondern auch im Seelenleben der Betroffenen. Chaos und Lieblosigkeit gehen laut Meinecke Hand in Hand.

Und hier setzt auch der zweite Teil an, denn was wäre eine Bestandsaufnahme wert, wenn nicht auch Wege aus dem Chaos gezeigt würden. Vieles siedelt die Autorin in der Kindheit der Chaotiker an. Anhand der Fallbeispiele ihrer Gesprächspartner zeichnet sie den Weg des Chaos nach, der sich durch ganze Familien zieht. Doch zum Glück ist nicht das der Schwerpunkt des Buches. Wichtiger ist die Frage nach dem Jetzt.

Statt Küchenphilosophie wird sich hier einem mitunter problematischen Thema mit Humor und Sprachwitz genähert. Dem Inneren Schweinehund wird ein Gesicht gegeben, und der Leser, Chaotiker oder nicht, wird eingeladen, über seine eigene Situation nachzudenken und selber die beste Lösung für die eigenen Probleme zu finden.

Besonders erfrischend ist dabei die Tatsache, dass man hinter Meineckes Worten jederzeit die Sympathie mit dem Chaotiker spürt. Es wird sogar das Negativbeispiel der Ordnungsliebenden in Form der schwäbischen Kehrwoche gebracht. Es darf gelacht werden, über andere, über sich selber, über das Leben allgemein. Und wie jeder weiß, ist es letztendlich das Lachen, das die Angst vertreibt, auch die Angst vor dem inneren Schweinehund.

Fazit: Amüsanter Ratgeber, der die Lösung des Chaos-Problems dem Leser überlässt

Bibliographische Angaben

  • Ulla Meinecke
  • Willkommen in Teufels Küche. Glanz und Elend der Chaotiker
  • Blanvalet, 2007
  • 253 Seiten, gebunden, 16,00 Euro
  • ISBN-10: 3764502304
  • ISBN-13: 978-3764502300

Willkommen in Teufels Küche. Glanz und Elend der Chaotiker